Es ist noch gar nicht so lange her, da war es wahnsinnig uncool, als sogenannter ‚Öko‘ bezeichnet zu werden. Damit einher gingen Assoziationen wie Jutesack oder Gesundheitsschuhe.  Müllvermeidung war was für Hippies und Weltverbesserer – Bio ein Begriff, den man irgendwie naserümpfend ausgesprochen hat. Denn – das ist doch total teuer und können sich entweder nur sehr reiche Leute oder konsumverweigernde Ökos leisten.

All das ist, neben der Tatsache, dass es zum Zwecke der Veranschaulichung natürlich etwas übertrieben dargestellt wurde, mittlerweile nicht mehr so. Das Bild des klassischen Ökos hat sich gewandelt – es ist hip und modern geworden, auf seine Umwelt zu achten und zu versuchen, weniger Müll zu produzieren. Wie dieser Wandel genau entstanden ist, ist schwierig zu beurteilen und würde wohl eines eigenen Artikels bedürfen. Fakt ist jedoch, dass es  mittlerweile fast zum guten Ton dazu gehört, mit dem eigenen Jutebeutel an der Supermarkt Kasse zu stehen.

Schaut man sich auf Instagram und Co. um, wird man mit Bildern von wiederverwendbaren to go Bechern, Edelstahlbrotdosen und frischem Obst und Gemüse nahezu erschlagen. Denn eines scheint sicher zu sein: der Öko von heute ist ziemlich hip unterwegs. Der wiederverwendbare Bambus to go Becher wird lächelnd in die Kamera gehalten und der Jutebeutel in allen erdenklichen Farben und Formen hat sich zum stylischen Alltagsbegleiter avanciert. Auch die eigene Trinkflasche aus Edelstahl oder Glas ist nicht nur praktisch sondern kann verdammt gut aussehen.

Doch neben der Tatsache, dass nachhaltiger Leben anscheinend optisch etwas her macht, gibt es auch einige harte, unschöne Fakten, die geradezu danach schreien, dass dieser Trend sich weiter verbreitet. Laut der deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland stündlich zwei Millionen Einwegplastikflaschen verbraucht – das ergibt pro Tag eine Menge von ca. 46 Millionen. Die Masse an Erdöl, die für die Produktion dieser Einwegflaschen produziert wird, liegt bei ca. 665.000 Tonnen jährlich*.  Doch das ist nur ein Bruchteil von dem, was tagtäglich produziert, gekauft, verwendet und weggeschmissen wird – Einwegverpackungen von Lebensmitteln, To go Becher, Spielzeug und billige Konsumgüter aus Plastik… Die Auflistung all dieser Dinge könnte noch ziemlich lange so weitergehen.

Das alles kann wahnsinnig deprimierend sein. Wie soll man denn als einzelne Person irgendetwas dagegen tun können? Was macht es schon aus, wenn ich jetzt Leitungswasser trinke statt mir Wasser in der Einwegflasche zu kaufen? Soviel ist klar: Jede Menge. Denn wenn immer mehr Menschen z.B. eine eigene Trinkflasche benutzen und Leitungswasser trinken, werden irgendwann aus den zwei Millionen Einwegflaschen pro Stunde vielleicht die Hälfte, und diese halbiert sich dann irgendwann vielleicht auch. Ich bin sehr optimistisch veranlagt und der Überzeugung, dass jede noch so kleine Tat im Alltag enorm viel ausmacht! Doch auch neben der eigenen Trinkflasche für unterwegs gibt es noch weitere, kleine Dinge die man tun kann, um seinen Alltag ohne viel Aufwand etwas grüner zu gestalten:

Der eigene Jutebeutel

So simpel es klingt, so wichtig ist es dennoch: Egal ob zum Shoppen oder zum Einkauf in den Supermarkt: Den eigenen Jutebeutel dabei zu haben schont (mittlerweile!) nicht nur den Geldbeutel, da die meisten Läden für die Plastik- und Papiertüten Geld verlangen, sondern auch die Umwelt. Damit er nicht vergessen wird, hilft es, sich einen Jutebeutel einfach an die Wohnungstür zu hängen oder zum Schlüsselbund zu legen – denn da muss man sowieso hin, bevor man das Haus verlässt.

Immer gut zur Müllvermeidung: Der gute alte JutebeutelErsetzt wunderbar die Plastiktüte: Der gute alte Jutebeutel.

Der Kaffee ‚to stay‘

Auch wenn es absolut im Trend liegt, sich seine Getränke to go zu bestellen – wie wäre es mal wieder mit einer richtigen Kaffeepause in einem gemütlichen Café? Denn, um auch hier mal eine Zahl zu nennen: Es werden stündlich 320.000 to go Kaffeebecher allein in Deutschland benutzt**. Und falls der Alltag doch mal keine Zeit für einen gemütlichen Kaffee zulässt, probier es doch mal einen Mehrweg Becher, z.B. aus Bambus oder Glas. Diese gibt es in vielen Farben und Mustervariationen. Mittlerweile gibt es in vielen Cafés sogar Rabatt auf das Heißgetränk, wenn man den eigenen Becher mitbringt.

Müllvermeidung funktioniert super mit einem To-Go-BecherSieht nicht nur cool aus, sondern ist auch nachhaltig: Der Kaffee-Becher von Ecoffee

 

Leitungswasser trinken

Wie bereits angesprochen kann man ganz leicht Müll vermeiden, indem man Leitungswasser trinkt. Leitungswasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland! Man spart nicht nur sehr viel Geld, da Leitungswasser nur ein Bruchteil von gekauftem Wasser kostet, sondern man spart sich auch die Schlepperei von schweren Sechserträgern und schonst ganz nebenbei die Umwelt. Leitungswasser gibt es mittlerweile auch in vielen Städten Deutschlands unterwegs gratis – die Refill Initiative hat eine Deutschland Karte mit Geschäften zusammengestellt, in welchen man sich die eigene Trinkflasche mit Leitungswasser auffüllen kann: https://refill-deutschland.de/
Coole und praktische Wasserflaschen gibt es z.B. von Klean Kanteen oder Soulbottle.

Müllvermeidung mit der Klean Kanteen-FlascheDas perfekte Duo für die Freizeit: Flasche von Klean Kanteen und Becher von Ecoffee

Unverpackt gefällig?

In vielen deutschen Großstädten gehören sie mittlerweile zum Stadtbild: Unverpackt Läden. Dort kann man sich Lebensmittel in die selbst mitgebrachten Behälter abfüllen und so bedarfsgerecht und ohne Verpackung einkaufen. Das Sortiment reicht in der Regel von Nudeln, Reis, Nüssen, Kaffee und Co. bis hin zu Hygieneprodukten und Waschmitteln. Vielleicht gibt es einen unverpackt Laden auch in deiner Nähe; ein Besuch um sich das ganze mal anzugucken und auszuprobieren lohnt sich auf alle Fälle. Eine tolle Übersicht aller unverpackt Läden in Deutschland findet man hier: http://wastelandrebel.com/de/liste-unverpackt-laeden/

Alternativen im Supermarkt

Auch wenn es vielleicht keinen unverpackt Laden in deiner Nähe gibt: Auch im normalen Supermarkt lässt sich ganz leicht Müll vermeiden. Schau dich doch bei deinem nächsten Einkauf mal nach Alternativen um. Gibt es vielleicht Milch und Säfte in der Mehrwegflasche? Wie ist die Auswahl an losem Obst und Gemüse? Auch Produkte in Papier oder Glas verpackt sind gute Alternativen zu Plastik. Die Gläser kann man auch ganz einfach wieder verwenden, z.B. für selbstgemachte Marmelade oder Aufstriche.

Bei allen Bemühungen, ein etwas grüneres Leben zu führen, darf man vor allem eines nicht vergessen: Babysteps sind angesagt. Niemand kann von heute auf morgen sein komplettes Leben umkrempeln und die Welt retten. Aber auch mit kleinen Unterschieden kann man jede Menge bewirken. Einfach mal anfangen und gucken, was passiert. Denn jeder Schritt zählt!

 

Ein Gastbeitrag von Julia Klös: Auf ihrem Blog Green and Whales dreht sich alles rund um das Thema Nachhaltigkeit.

 

*Quelle: http://www.duh.de/index.php?id=5284
** Quelle: http://www.duh.de/becherheld-problem/

 

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