*Werbung*

Der Stuttgarter VERRAI-VERLAG verleiht Jungautoren eine Stimme und entscheidet sich dabei bewusst gegen den Mainstream

Wir haben ein kleines Café im Stuttgarter Westen als Treffpunkt gewählt. Es ist später Vormittag und ein goldener Oktobertag lockt mich an einen Platz in der Sonne. Ich bestelle einen großen Milchkaffee und halte Ausschau nach der Person, mit der ich mich hier verabredet habe – Jürgen Zarn, Gründer und Inhaber des VERRAI-VERLAGs. Es dauert nicht lange, bis ein Mann mittleren Alters auf das Café zukommt. Lässig gekleidet, in Jeans und Lederjacke. Wir sehen uns das erste Mal, also weiß er noch nicht, mit wem er es gleich zu tun haben wird. Ich wiederum erkenne ihn sofort von seinem Bild auf der Website und gebe mich zu erkennen. Freundlich winke ich ihm zu und lade ihn ein, sich zu mir zu setzen. Nachdem auch er vor einer großen Tasse dampfenden Kaffees sitzt, steigen wir gleich ins Thema ein, denn Herr Zarn hat heute noch weitere Termine auf seiner Agenda.

Jürgen Zarn, Inhaber des VERRAI-VERLAGS

Herr Zarn, Sie haben den VERRAI-VERLAG vor drei Jahren gegründet. Wie kam es dazu?

Der Wunsch, mein eigenes Unternehmen zu führen, hat mich unterschwellig vielleicht schon immer begleitet, aber erst relativ spät in meiner beruflichen Laufbahn habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Ich war lange Zeit in der Industrie tätig, als Führungskraft habe ich Teams mit über 20 Personen geleitet, habe Change-Prozesse begleitet und die Mitarbeiter auf anstehende Restrukturierungen vorbereitet. Aber genau dieser Wandel, der auch die Unternehmenskultur grundlegend veränderte, führte letzten Endes dazu, dass auch ich mich fragte, wie es für mich persönlich weitergehen soll. Zu dieser Zeit trat ein Geschäftskontakt auf mich zu, der mir die Beteiligung an einem bereits bestehenden Verlag vorschlug – eine bis dato für mich gänzlich unbekannte Branche. Bei der näheren Beschäftigung mit der Thematik habe ich erkannt, dass die Anforderungen an einen Verlagsleiter sehr dicht an den Aufgaben liegen, die ich auch in der Industrie hatte – die Beschäftigung mit Prozessen und die Zusammenführung verschiedener Einheiten. Das war genau das, was ich suchte.
Und doch entschied ich mich letzten Endes gegen dieses Projekt, da unsere Vorstellungen und Visionen zu weit voneinander entfernt lagen. Zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings schon so tief in die Materie vorgedrungen, hatte mit möglichen Partnern gesprochen und mir zu viele Gedanken gemacht, um meine Pläne wieder zu verwerfen – und so setzte ich alles auf eine Karte, kündigte meinen Job und gründete meinen eigenen Verlag.

Eine mutige Entscheidung, die Verlagsbranche ist ja ein hart umkämpfter Markt. Haben Sie ein spezielles Konzept, mit dem Sie sich von der Konkurrenz abheben?

Wir gingen 2016 an den Start und von Anfang an stand für mich eines im Mittelpunkt: Manuskripten, die nicht dem Mainstream entsprechen, eine Publikationsplattform zu bieten und auch Titeln eine Chance zu geben, die keine exorbitant hohen Auflagen versprechen.
Ein unbekannter Autor findet in aller Regel bei einem großen Verlag kein Gehör; selbst wenn das Manuskript gelesen wird, sind die Chancen minimal, ein Buch publizieren zu dürfen.
Ich biete Jungautoren die Möglichkeit, auf dem Markt mit ihrem Erstlingswerk einzusteigen, unabhängig vom Genre.

Apropos Genre, gibt es Themen, an denen Sie persönlich Interesse haben?

Ich bin ein sehr sachlich orientierter Mensch, lese sehr gerne Fach- und Sachbücher, das spiegelt auch das Verlagsportfolio zu einem gewissen Maß wider. Bei diesen Titeln achte ich beispielsweise darauf, wie weit die Kenntnisse auf dem entsprechenden Gebiet gehen. Hier ist es umso besser, wenn jemand sein Thema in einer Nische findet, die noch nicht ausgereizt ist, sondern sich einem gänzlich neuen Thema zuwendet.
Grundsätzlich sind wir aber hinsichtlich des Genres noch sehr flexibel. Wir werden sehen, ob wir diesen Weg weitergehen, oder uns in Zukunft auf bestimmte Themenbereiche beschränken.

Und was muss ein Manuskript für Voraussetzungen erfüllen, damit es in Ihrem Verlag publiziert wird?

Im Moment erhalte ich in der Woche etwa 40 Manuskripte. Der erste Schritt ist schon mal ein sauber eingereichtes Manuskript. Ein Exposé und eine Inhaltsangabe zum Querlesen. Wenn es mir gut gefällt, lese ich mehr, wenn nicht, springe ich in ein anderes Kapitel und schaue, ob dort mehr Potenzial vorhanden ist. Wenn ja, suche ich den passenden Lektor, der dem Werk den letzten Schliff verleiht. Dieses Vorgehen ist ein entscheidender Vorteil gegenüber der Möglichkeit des Self-Publishing. Autoren werden bei uns intensiv betreut und beraten. Der Autor muss aber auch bereit sein, selbst an sich zu arbeiten, um sich weiterzuentwickeln. Ich sehe hier oft Parallelen zum Fußball. Ein Fußballspieler, der Talent hat, muss dennoch ausgiebig trainieren, um in der Bundesliga einen Platz zu finden. Wir unterstützen unsere Autoren bei der Entwicklung, aber es geht nicht nur um das Buch alleine, sondern auch um die Persönlichkeit des Autors.

Publizieren Sie auch Bücher in anderen Sprachen?

Was den sprachlichen Rahmen betrifft, so können wir aktuell leider nur Bücher in deutscher Sprache berücksichtigen, was vorrangig damit zu tun hat, dass ich selbst die Projekte auswähle und meine Fremdsprachenkenntnisse mir hier Grenzen setzen. (lacht) Auch Themen, die zu politisch sind oder andere verletzen, schließen wir grundsätzlich aus.

Welches Fazit ziehen Sie nach drei Jahren als Verleger?

Rückblickend kann ich sagen, dass meine Entscheidung genau richtig war. Ich kann sehr viel kreativer arbeiten, bin stark in die Covergestaltung involviert und entscheide über gestalterische Elemente.
Ein Buch zu veröffentlichen kann je nach Thema eine sehr persönliche Sache sein. Ich bin jedes Mal stolz, wenn ich ein neues Werk in Händen halte, das ein Stück Persönlichkeit des Autors offenbart. Zurzeit haben wir etwa 80 Autoren unter Vertrag und es sollen noch viel mehr werden.

Weitere Infos und alle Bücher findet ihr hier:

https://verrai-verlag.de

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen